Praktische Hilfe und solidarische
Vernetzung für BürgerInitiativen (BI)
Wir
Berliner Bürgerinnen und Bürger sind vielfach unzufrieden
mit der Art und Weise, wie Entscheidungen gefällt werden, die unser
Leben nachhaltig betreffen. Wir haben uns in unterschiedlichen Initiativen
organisiert, die in den Wohngebieten Bedingungen für ein würdiges
und respektvolles Miteinander schaffen und machen engagiert auf Entwicklungen
aufmerksam, die den Interessen der Bürgerinnen und Bürger
entgegenstehen.
Wir
kennen die lokalen Verhältnisse vor Ort und verhandeln im Interesse
der jeweils betroffenen Bürgerinnen und Bürger mit den Verantwortlichen
in Politik und Verwaltung. Wir fördern und entwickeln Bedingungen,
die eine verbindliche Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern
im Vorfeld wichtiger Investitionsvorhaben sichert, begleiten diese Einbeziehungs-prozesse
und wirken auf die Gestaltungsbedingungen ein.
Wir
bündeln und stärken das Engagement betroffener Bürgergruppen
gegenüber Politikern, Ämtern und Investoren, sorgen für
Transparenz bei stadtplanerischen Entscheidungsprozesse und deren Genehmigungspraxis.
Mit Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Hilfe unterstützen wir
uns zudem gegenseitig, handeln dezentral und nachhaltig.
Wir
Bürgerinitiativen haben uns jetzt zu einer Plattform, dem Bürger-Initiativen-Netzwerk
Berlin (BIN BERLIN) zusammengeschlossen. Als BIN BERLIN setzen wir uns
für den Erhalt und die Entwicklung von öffentlichem Eigentum
ein. Alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt sollen auch
weiterhin freien Zutritt zum Stadtraum haben und diesen mitgestalten
können. Die letzten öffentlichen Flächen der Innenstadt
müssen für öffentliche Zwecke erhalten werden. Auch die
Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus in der Innenstadt ist dringend
geboten, um den teils horrenden Mietsteigerungen in den Berliner Bezirken
entgegenzutreten.
Wir
setzen uns für eine neue Bauordnung ein, die den Anforderungen
einer nachhaltigen, ökologischen und sozialen Stadtentwicklung,
wirksamem Anwohnerschutz und verbindlicher Bürgerbeteiligung entspricht.
Mediaspree oder Spreebogen, Mauerpark, Stadtbad Oderberger Straße,
Oderberger Straße, Kastanienallee, Monbijoupark, Engelgärten
und Marthashof sind u.A. die Themen der beteiligten Bürgerinitiativen.
Es
ist höchste Zeit, sich wieder auf die Grundlagen eines demokratischen
und solidarischen Gemeinwesens zu besinnen. BIN Berlin wird dazu einen
Beitrag leisten.
BIN BERLIN / Bürger-Initiativen-Netzwerk
Berlin
April 2009
www.bin-berlin.de
Bürgerinnen und Bürger
Berlins sind vielfach unzufrieden mit der Politik und mit der Art und
Weise wie Entscheidungen, die sie und ihr Leben vor Ort betreffen, gefällt
werden. Diese Situation hat dazu geführt, daß sich engagierte
Bürgerinnen und Bürger in Bürgerinitiativen mit bauplanerischen,
sozialen, sozialräumlichen oder ökologischen Anliegen versammelt
haben. Sie wollen vor Ort Bedingungen schaffen, die ein würdiges
und angemessenes Wohnen und Zusammenleben unterschiedlicher Menschen
ermöglichen und Raum bieten für vielfältige Aktivitäten.
Sie wollen auf Entwicklungen aufmerksam machen und in Frage zu stellen,
die diesem Bestreben entgegenstehen.
Um sich auf die Grundlagen eines demokratischen Gemeinwesens zu besinnen,
ist es höchste Zeit, die Richtung zu ändern.
Wir haben uns zum BürgerInitiativen
Netzwerk Berlin - BIN BERLIN zusammengeschlossen. Wir kennen durch unser
zum Teil langjähriges Wirken in den Bezirken die Verhältnisse
vor Ort und können mit den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung
im Interesse der jeweils betroffenen Bürgerinnen und Bürger
über zu treffende oder zu unterlassende Maßnahmen auf gleicher
Augenhöhe verhandeln.
Die Bürgerinitiativen des Netzwerks wollen entsprechende Strukturen
aufbauen.
Gemeinsam wollen wir Vorschläge entwickeln für Politik und
Verwaltung zur Schaffung organisatorischen oder institutionellen Rahmenbedingungen
zur verbindlichen Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern
im Vorfeld wichtiger Investitionsvorhaben - und deren Umsetzung engagiert
begleiten. Dazu gehören vor allem die Schaffung rechtlicher Bedingungen
für sozial und ökologisch verträgliches Bauen und für
die stadträumliche Gestaltung in Berlin. Das Netzwerk dient dem
Erfahrungsaustausch unter den Bürgerinitiativen. Es soll solidarisch
neue Bürgerinitiativen unterstützen und bei Bedarf auch geeignete
Hilfe leisten.
Was leistet BIN BERLIN?
- BIN Berlin setzt sich für
die Erarbeitung standardisierter Bürgerverfahren ein, damit Bürger
UND Stadtverwaltungen entspannter miteinander umgehen können.
- BIN BERLIN will dezentral
und nachhaltig Bürgerinitiativen unterstützen. Das Netzwerk
will Plenum sein, welches sich mit ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen
und menschlichen Auswirkungen von Umstrukturierung, Gentrifizierung
und Unwissenheit der städtebaulichen Entwicklung in der Berliner
Innenstadt beschäftigt. Es arbeitet mit Experten zusammen und
vermittelt Kontakte zu ihnen.
- BIN BERLIN ist eine horizontale
Struktur, ein Treffpunkt für Initiativen und wächst durch
Interesse, Netzwerkarbeit und Mitarbeit.
- BIN BERLIN will das Engagement
betroffener Bürgergruppen bündeln und deren argumentatives
Auftreten in den Kiezen und Bezirken gegenüber Ämtern und
Investoren stärken.
- BIN BERLIN will die bestehende
Gesetzgebung und Genehmigungspraxis, stadtplanerische Verfahren und
Entscheidungsprozesse transparent und Partizipation und Bürgerbeteiligung,
z.B. in Form von Runden Tischen verbindlich machen.
- BIN BERLIN will einen Rechtspool
aufbauen von vergangenen Verfahren, laufenden Verfahren und Artikeln
zum fachlichen Umgang der Bevormundung durch Unwissen.
Was fordert BIN BERLIN?
- BIN BERLIN fordert den Erhalt
und die Entwicklung öffentlichen Eigentums.
Wir setzen uns dafür ein, dass die Bürger dieser Stadt auch
weiter freien Zutritt zum Stadtraum haben und diesen mitgestalten
können. Besonders die letzten im Eigentum der öffentlichen
Hand stehenden Flächen der Innenstadt müssen für öffentliche
Zwecke bereitgestellt werden und dürfen auf keinen Fall im Bieterverfahren
versteigert werden. Dieses führt unter dem gegebenen ökonomischen
Druck zu einer immer dichteren, höheren und für den öffentlichen
Raum und die Stadtökologie schädlichen Bebauung.
- BIN BERLIN fordert die Sicherung
des sozialen Wohnungsbaus im Bestand der Berliner Innenstadt um einer
Gentrifizierung in diesen Bezirken entgegenzutreten.
- BIN BERLIN fordert eine neue
Bauordnung, die den Anforderungen eines nachhaltigen und modernen
Städtebaus entspricht.
Dazu gehören u.a. ein wirksamer Anwohnerschutz und verbindliche
Bürgerbeteiligung. Berlin braucht keine Verdichtung der Innenstadt.
Trotzdem wurde die alte, hinsichtlich Anwohnerschutz bereits sehr
schwache Bauordnung im Jahre 2006 durch eine neue ersetzt, die die
notwendigen Abstandsflächen zwischen Bauten radikal verringerte.
Nun drohen noch schlimmere Bausünden als zwischen 1998 und 2006.
Die Brachen der Innenstadt, wie etwa der ehemalige Mauerstreifen,
sollen von Privatinvestoren renditeträchtig mit Wohnungs- oder
Gewerbebauten bebaut werden können, ohne störende Rücksicht
auf Bestandsbebauung und Nachbarn nehmen zu müssen. Ergebnis:
"wohnunverträglichen Bebauungsdichte" und eine Zerstörung
von Wohnqualität. Ohne begleitende Planung und einschränkende
Eingriffe der Behörden entsprechen genehmigungspflichtige Bauanträge
in Berlin heute lediglich dem bauordnungsrechtlichen Polizeirecht
(heißt das echt so?)/ dem formellen Bauordnungsrecht aber nicht
den Anforderungen an modernen, nachhaltigen Städtebau.
- BIN BERLIN fordert eine Änderung
der Genehmigungspraxis der Bauämter.
Das den Planungen und Flächennutzungsplänen zu Grunde liegende
und auf unrealistische Annahmen basierende Planwerk Innenstadt ist
vor rund 10 Jahren undemokratisch zustande gekommen. Es konnte als
weitgehend unverbindliche Bauleitplanung allerdings auch kaum schützende
Wirkung gegen die zunehmende Verdichtung der Innenstadt entfalten.
Durch die Genehmigungspraxis der Bauverwaltungen und des Senats ist
es in der Zwischenzeit systematisch ausgehöhlt worden und hat
kaum zu einer Beschränkung der Baumassen geführt. Ein Planwerk,
das den Bewohnern der Stadt keinen Schutz bieten kann, ist wertlos
und sollte abgeschafft bzw. demokratisch erneuert werden. Noch ärgerlicher
ist allerdings die systematische Unterwanderung jeglichen Anwohnerschutzes
durch die Praxis der Bauämter. Durch Vorhaben wie Mediaspree
oder Spreebogen, Mauerpark, Monbijoupark, Engelgärten, Marthashof
etc. werden die letzten Brachen und wilden Grünflächen in
der Innenstadt an Investoren veräußert, denen regelmäßig
Befreiungen von Flächennutzungsplan, Bebauungsplänen und
weiteren für alle anderen gültigen Auflagen erteilt werden.
Am Ende wird regelmäßig höher, dichter, dunkler und
mit weniger Grün gebaut als zuvor eigentlich vorgesehen war.
Diese Genehmigungspraxis ist nicht nur von schlechter Verwaltung und
fehlender Bürgerbeteiligung gekennzeichnet sondern folgt zuvorderst
ökonomischen Bedingungen der Finanzierung von Bauprojekten und
Erwartungen an hohe Renditen oder Steueroptimierungen. Diese Praxis
muss geändert werden!
BürgerInitiativen Netzwerk
Berlin - BIN BERLIN April 2009